Der erste Online-Gemeindebrief der Luthergemeinde Bruchsal
Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort Dekan Brjanzew
- Abschiedswort Vikar Stein
- Verabschiedung des Dekans
- Kirchenwahl
- Tag des Denkmals
- Angebote der Gemeinde
- Käthe-Luther-Kindergarten
- Bericht Wichern-Kinderhaus
- Aus dem Kindergottesdienst
- Silberne Konfirmation
- Gemeindefest
- Erntedankfest
- Gottesdienste
- Orgelandacht
- Freud und Leid
- Kirchenmusik
- Konzerte
- Impressum / Spenden
Zum Geleit
Liebe Leserin, lieber Leser,es ist wieder Sommer geworden und nicht für alle, aber doch für viele beginnt damit die Urlaubs- und Ferienzeit. Auch für die Menschen unter uns, die nicht verreisen, ist jetzt Gelegenheit, die Arbeit einmal ruhen zu lassen.
Der mit größter Sorgfalt gepflegte Garten, der liebevoll gehegte Balkon - sie entfalten ihre volle Blüte eigentlich erst dann, wenn man sich die Zeit nimmt, einfach mal still dazusitzen und sich an ihrer Schönheit zu erfreuen.
Aber haben wir nicht gerade damit oftmals unsere Probleme? Die Hände in den Schoß legen und über die Natur staunen, das scheint vielen heute schwer zu fallen. Vielleicht weil wir von klein auf gewohnt sind, ständig in Bewegung zu sein, um unseren Alltag zu meistern und unserer Arbeit nachzukommen.
Wie aus einer anderen Welt klingt dagegen ein Reisebericht aus Mexiko, wo ein Tourist eine höchst merkwürdige Erfahrung machte. Als er die Werkstatt eines Schuhmachers aufsuchte, um sich seine Schuhe besohlen zu lassen, da besprach sich der Handwerker erst einmal recht umständlich mit seiner Frau. Nach einiger Zeit wandte er sich wieder dem Touristen zu und lehnte dessen Auftrag ab. Seine Begründung war für den Europäer kaum zu fassen: Sie hätten für diesen Tag noch genug zu essen, er würde erst morgen wieder arbeiten. Wie finden Sie diese Haltung...? Vielleicht schütteln Sie den Kopf und sagen: "Das ist doch keine Einstellung zum Leben und zur Arbeit! So wird der Typ es nie zu etwas bringen! Kein Wunder, dass es mit der Entwicklung in diesen Ländern nicht recht vorangeht!"
Obwohl sein Verhalten mir fremd ist, empfinde ich offen gesagt durchaus eine gewisse Sympathie für diesen Schuhmacher. Dieser Mensch kann etwas, was die meisten von uns verlernt haben: er kann zufrieden sein und die Ruhe pflegen. Er lebt nicht um zu arbeiten, sondern er arbeitet um zu leben.
Ich kenne unter uns keinen Menschen wie ihn. Aber er gibt mir zu denken.
Zufrieden sein und die Ruhe pflegen. Sich Zeiten aussparen, die anders sind als der Alltag. Den Ablauf der Woche, des Jahres unterscheidbar machen: Werktag und Sonntag, Arbeitszeit und Urlaub. Nicht den Sonntag zum heimlichen Arbeitstag machen, zu einem Tag wie jeder andere. Nicht den Urlaub noch hektischer und stressiger planen als den Rest des Jahres. Zeiten der Ruhe als Geschenk nehmen, um die Welt mal mit ganz anderen Augen zu betrachten.
Im Alten Testament, im ersten Buch der Chronik Israels steht ein beachtenswerter Satz. Er lautet: "Der Herr, der Gott Israels, hat seinem Volk Ruhe gegeben." (1. Chronik 23, 25).
Zeiten der Ruhe sind wirklich ein Geschenk, wenn sie uns helfen, tief durchzuatmen und uns selbst und unsere Umgebung mit neuen Augen sehen zu lernen. Wenn sie uns Anstoß geben uns und unser Leben, so wie es alltäglich läuft, neu zu bedenken. Wenn wir sie nutzen, um Kräfte zu sammeln für unser Leben miteinander und füreinander.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Sommer- und Ferienzeit!
Herzlichst Ihr Wolfgang Brjanzew, Dekan

